Critics‘ Choice Movie Awards – Beste Regie, Beste Kamera, Bester Schnitt

Hollywood Critics Assosiation Awards – Bester Film, Bester Action- oder Kriegsfilm, Beste Kamera, Bester Schnitt

San Diego Film Critics Society’s Award – Bestes Szenenbild

Chicago Film Critics Association Award – Beste Kamera

Satellite Award – Beste Kamera

National Board of Review Award – Beste Kamera

Seattle Film Critics Society Award – Beste Kamera

Washington D.C. Area Film Critics Association Award – Beste Kamera

St. Louis Film Critics Association Awards – Bester Actionfilm, Beste Kamera, Beste Filmmusik

Online Film Critics Society Award – Beste Kamera

Santa Barbara International Film Festival – Virtuoso Award

Golden Globe Awards – Bester Film, Beste Regie

10 Oscarnominierungen – Bester Film, Beste Regie, Bestes Originaldrehbuch, Beste Kamera, Bester Ton, Bester Tonschnitt, Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik, Bestes Make-Up, Beste visuelle Effekte


Die Liste der Preise, die Sam Mendes‘ Kriegsdrama „1917“ bereits abräumen konnte, ist verdammt lang. Und bei 10 Oscarnominierungen, kann man davon ausgehen, dass die Macher mit einigen Goldjungen nach Hause gehen dürfen. Aber warum liebt Hollywood diesen Film so sehr und warum habt ihr möglicherweise noch gar nichts davon gehört?

Preise über Preise

Zunächst, wie bereits erwähnt: 1917 ist ein Kriegs- bzw. Antikriegsdrama und spielt dem Titel entsprechend im 1. Weltkrieg. Ich für meinen Teil bin kein besonders großer Fan von Filmen, die den Krieg porträtieren und bei der Masse an bekannten Kriegsfilmen wie „Der Soldat James Ryan“, „Black Hawk Down“, „Apocalypse Now“, „Full Metal Jacket“ oder „Good Morning Vietnam“ dachte ich, ich kann guten Gewissens davon ausgehen, dass ich von einem weiteren Kriegsfilm nicht mehr überrascht werde. Hunger, Elend, Geballer, Tod, Ende. Was soll mir der Film noch mehr bieten?

Die genannten 5 Filme waren ihrerzeit insgesamt für 25 Oscars nominiert, 11 davon für „Der Soldat James Ryan“, der vor 20 Jahren in die Kinos kam. Keiner davon konnte den Preis für den besten Film ergattern. Mit seinen 10 Oscarnominierungen tritt „1917“ nun in die Fußstapfen des erfolgreichsten Kriegsfilms und – an dieser Stelle muss ich dann doch anerkennen – cineastisch füllt er diese voll und ganz aus. Doch ist er auch der beste Film 2019?

Worum geht’s?

Die Grundstory ist schnell erklärt: Die britischen Obergefreiten (im Original Lance Corporal) Blake und Schofield bekommen von ihrem General den Auftrag, einer anderen britischen Einheit den Befehl zu überbringen, ihren geplanten Angriff sofort abzusagen. Andernfalls würden sie in die Falle der Deutschen und somit in den sicheren Tod laufen. In der besagten Einheit befindet sich auch Blakes älterer Bruder. Der Knackpunkt dabei ist, dass Blake und Schofield allein, zu Fuß, kilometerweise feindliches Gebiet überqueren müssen.

Der Film basiert auf nach eigener Aussage auf Geschichten aus Kriegszeiten, die Mendes‘ Großvater ihm als Kind erzählte. Er wolle mit dem Film versuchen auf irgendeine Weise, den Opfern einer verlorenen Generation Tribut zu zollen. Tatsächlich glorifiziert der Film keineswegs den Krieg an sich, gar wird explizit erwähnt, wie ein Stück Metal jemals ein Menschenleben aufwiegen könne.

In der Machart ein Kunstwerk

Die bekanntesten britischen Schauspieler geben sich die Klinke in die Hand. Andrew Scott, Mark Strong, Richard Madden, Colin Firth sowie Benedict Cumberbatch sind allesamt vertreten, haben aber grob geschätzt insgesamt nicht mehr als 15 Minuten Screentime. Und das in einem fast 2 stündigen Film. Stattdessen tragen George MacKay und GoT-Darsteller Dean Charles Chapman (König Tommen – ich habe ihn tatsächlich nicht erkannt …) über den gesamten Film. Schauspielerisch eine solide Leistung da gibt es absolut nichts zu meckern.

Unabhängig von den Schauspielern, kann 1917 aber vor allem mit Einem glänzen und das ist die hochpräzise Kunstfertigkeit mit der hier gearbeitet wird. Der gesamte Film wirkt wie ein gigantischer One-Shot. Natürlich sind, ähnlich wie bei „Birdman“, hier und da versteckte Cuts zu entdecken, beispielsweise durch subtile Tricks, wie während des Durchquerens eines Stacheldrahtzauns oder durch kurzes filmen der Füße. Allerdings ist mir in der ersten Viertelstunde keine einzige Möglichkeit aufgefallen, in der ein solcher Schnitt möglich gewesen wäre. Desweiteren fragt man sich ein ums andere Mal, wie riesig das aufgebaute Set gewesen sein muss oder an welchen Stellen mit Computereffekten gearbeitet wurde. Die ununterbrochenen steten Kamerafahrten sind teilweise so unglaublich, dass ich keine Idee habe, wie sie umgesetzt wurden. In der zweiten Hälfte des Films, spielt eine Szene in einem reißenden Fluss (die unrealistische Existenz eines solchen Flusses samt Wasserfall sei mal dahingestellt). Dass der Kameramann (Roger Deakins) ebenfalls auf dem Wasser war, ist aufgrund der stabilen Kameraführung nahezu undenkbar. Und ein Kran, der die gesamte Länge des Flusses abdecken kann, ist mir nicht bekannt. Möglicherweise wurde mit Drähten oberhalb des Flusses gearbeitet, die in den Wideshots später digital entfernt wurden. Mit etwas Glück werden nach Kinostart oder spätestens zum Heimkinorelease einige Geheimnisse durch Bonusmaterial oder Interviews gelüftet. Wie auch immer man diesen Film realisiert hat, es ist gewiss, dass sämtliche Preise die 1917 für die beste Kamera sowie die beste Regie ergattern kann allesamt berechtigt sind.

Doch wie verhält es sich zum Thema bester Film?

Uns wird gezeigt, dass der Krieg ein Eigenleben besitzt, dass vermutlich niemals jemals nachvollziehen kann, der es (glücklicherweise) nicht selbst erlebt hat. Während sich einige Soldaten auf einer offenen Wiese ausruhen und versuchen ihren Hunger zu ignorieren, werden einige Meter weiter kriegsentscheidende Entschlüsse und Taktiken auf höchster Ebene besprochen und wieder einige Meter weiter befinden sich bereits Soldaten an der Kampflinie und wissen nicht einmal welcher Wochentag gerade ist. Sehr bedrückend, sehen wir, dass buchstäblich hinter der nächsten Ecke eine völlig andere Welt existiert.

1917 ist prinzipiell ein Antikriegsfilm, weil er den Krieg in seiner ganzen Abscheulichkeit zeigt. Menschen erschießen Menschen, Menschen erstecken Menschen, Menschen erwürgen Menschen. Und das ganze für wenige Meter Boden, der bereits abgebrannt, gerodet und abgestorben ist. Die einzelnen Unsinnigkeiten, wie das plötzliche und lautlose Auftauchen einer ganzen Kompanie inklusive Fahrzeuge, kurz nachdem ein Luftkampf ausgefochten wurde, den nun keiner mehr zu beachten scheint, verzeiht man dem Film, damit der One-Shot weiterhin funktioniert, ohne den Film auf 5 Stunden strecken zu müssen.

Ob das alles aber ausreicht, um am Ende als bester Film hervorzugehen, darf bezweifelt werden. Gerade bei der namhaften Konkurrenz von „Joker“, „Once upon a Time in Hollywood“, „Little Woman“, „Jojo Rabbit“, „The Irishman“ und allen voran „Parasite“, der in sämtlichen Top 10 Listen aus 2019 ganz weit oben auftaucht. Trotz des Golden Globe Awards für den besten Dramafilm, gehe ich davon aus, dass „1917“ bei der Oscarverleihung Platz einem anderen Film weichen muss. Möglicherweise ja für Parasite (denn dieser war bei den Globes gar nicht erst als bestes Drama nominiert).

Jedem, der sich für Kameraführung interessiert und ein Auge für die Kunst des Filmemachens hat, möchte ich „1917“ unabhängig von allen Preisen unbedingt empfehlen.

4 out of 5 stars (4 / 5)
Wie gut ist 1917?

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